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Über das Wesen der Stille - Teil 3

Über das Wesen der Stille. Blogartikel von Martina M. Schuster, Coachingakademie für Coaching mit Musik, Klang und Gesang, und Life Coaching
Ist es die Angst vor der Einkehr, die uns die Stille meiden lässt?

Kann es wahr sein, dass wir die Stille nicht mehr so aushalten können wie noch vor 10 Jahren? In unserer Gesellschaft ist eine allgemeine Entwicklung auszumachen, dass die Stille verbunden mit dem einfachen Nachdenken und Spüren nicht mehr so ausgehalten wird, wie dies noch vor einigen Jahren durchaus üblich war. Alles scheint schneller, hektischer, ja sogar die Sprache verändert sich. Sie wird einfach und teilweise auch oberflächlich. Doch vor allem fällt dies auf: Beinahe überall im öffentlichen und privaten Leben können wir Menschen beobachten, deren Blicke und Handlungen mit dem Smartphone fast schon symbiotisch verbunden sind. Kaum jemand schaut beim Fahren mit öffentlichen Verkehrsmittels aus dem Fenster. Alles ist auf das Tun, Handeln und reagieren programmiert. 

Angst vor der Einkehr, Angst vor der Stille?

Keine Zeit für Einkehr und Ruhe, obwohl genau dort, nämlich in der Stille, besonnen reflektiert und bewusst gefühlt werden kann. Die äußere Welt wird lauter und hektischer, eine neue technische Entwicklung jagt die andere. Das scheint der Lauf der Zeit zu sein, und ist eigentlich nichts Neues. Das heißt aber nicht, dass es gesund ist. Denn wenn etwas 'normal' ist, hat das nicht zwangsläufig mit Vernunft oder Gesundheit zu tun. 'Normal' bezeichnet lediglich hier, jene Verhaltensweisen, die man im im Durchschnitt beobachten kann. Es handelt sich um einen statistischen Inhalt, der qualitativ erst einmal nichts ausdrückt.

 

Was sichtbarer wird, ist eine menschliche Abgestumpftheit, ein Einheitsbrei von Me-Too-Gehabe*  welches man  begleitet von einer unsagbaren Hektik, die sich wirsch und unfreundlich ausbreitet. Im Verhalten der Menschen und dem allgemeinen Befinden. Und das wirkt auch im inneren Erleben, das die Menschen nach außen wie Hamster im Rad wirken lassen. Ständig online sein zu müssen,  so wirken die meisten Menschen schon wie Süchtige, süchtig nach Geschäftigkeit. Es scheint fast so, als hätten sie Angst vor der Stille, der inneren Einkehr. Ist es die Angst vor dem Leben? Bei manch einem ist es vielleicht auch eine verdeckte Angst vor dem „Alleine-Sein“, vor dem nicht gesehen werden. Wollen wir uns selbst unsere Existenz und unsere Wichtigkeit beweisen, durch das übertriebene ständig etwas Tun-zu-müssen und das Posten nach dem Motto ‚Schaut was ich tue. Ich existiere und bin wertvoll‘? Wundert es da, wenn immer mehr Menschen über schlaflose Nächte klagen, wenn sie sich gehetzt und innerlich leer fühlen? Aktuell werden innere Ruhe und Stille mehr benötigt als je zuvor.

 

*Me-too ist in der Werbeindustrie das Bedürfnis, gewisse Verhaltensweisen zu übernehmen bzw. Produkte zu kaufen. Dieses möchte man aktivieren, da man dadurch am besten manipulieren kann. Es hat nichts mit der in den letzten Jahren bekannen 'me-too-Bewegung' zu tun!

 

Der Lebensrhythmus sollte wie ein tiefes Aus- und Einatmen sein, und dazwischen die Stille

Der Lebensrhythmus sollte wie ein tiefes Aus- und Einatmen sein, Anspannung und Entspannung. Dazwischen ist die Stille. Das ist Tatsache. Achte einmal auf Deinen Atem, auf den Ein- und Ausatem, und Du kannst sehr gut erkennen, dass es dazwischen einen Ort der Stille gibt. Die Stille gibt die Form, sie wahrt den gesamten Rahmen. Würde die Stille fehlen, gäbe es überall nur einen Einheitsbrei. Stell Dir einmal vor, zwischen den Tönen sei keine Stille, jeder Ton würde dann in den nächsten fließen. Wir könnten keine Melodie erkennen, es wäre nur noch ein nicht auszuhaltendes Geräusch.  Das gleiche gilt für unsere Worte. Zwischen jedem Wort findest Du einen kleinen Moment der Stille, denn sonst wäre das Wort kein Wort, und wir könnten uns nicht verstehen. Es wäre ein Geprabbel.  Und wenn wir in unserem Leben keine Stille hätten, so können wir uns selbst nicht verstehen und auch andere nicht. Wir würden von einem zu anderen hetzen,  wären wir fremdbestimmt, hätten keinen Bezug zu uns selbst und irgendwann wären wir so erschöpft, dass uns die Luft sogar zum Atmen wegbliebe. Sich bewusst zu machen, wo die Stille im Alltag wichtig und notwendig ist, bringt der kleinen Mühe vielerlei Erkenntnis. Betrachten wir noch einmal die gesprochene Kommunikation.

 

Gespräche interessanter und tiefer gestalten durch den bewussten Einsatz der Stille

Wie schon erwähnt, ohne Stille gäbe es keine Musik, weil der Ton eben aus dieser kommt und wieder dorthin zurück kehrt. Wenn es dies nicht gäbe, könnten wir wie bereits erwähnt keinen einzigen als solchen wahrnehmen und alles würde ineinander klingen, ein undefinierbares klangliches Durcheinander. Das gleiche gilt natürlich auch bei der menschlichen Sprache. Auch hier benötigen wir die Stille zwischen den Worten, damit wir letztere als solche wahrnehmen und verstehen können. Versuche  in Deinem nächsten Gespräch  zwischen einigen Worten eine kurze Pause zum Nachwirken zu lassen. Spüre nach, wie das wirkt. Denn Worte gewinnen an Kontur und Bedeutung, wenn diese von Pausen eingerahmt werden. Der Sprecher wird als sicherer und überzeugender eingeschätzt, wenn er nicht zu schnell spricht und seine Worte mit Pausen einrahmt. Das kannst Du sofort ausprobieren. Lege Atempausen zwischen Deine Sätze und Du wirst sofort spüren, dass das Gesagte eine tiefere Bedeutungsebene erreicht und somit größeres Gewicht bekommt, für Dich selbst und für Dein Gegenüber. Und da Menschen von einem auf das andere schließen, gewinnst auch Du als Person dadurch mehr Glaubwürdigkeit. 

 

©Martina M. Schuster


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